Manchmal geschieht das Lesen einfach. Wir sind gefesselt von der Geschichte und tauchen in unsere eigene innere Welt ab. Unsere tatsächliche Umgebung vergessen wir. Wir nehmen unsere äußere Umgebung nicht mehr wahr. Dennoch hat sie einen Einfluss auf das, was wir tun. In diesem Blog Artikel lenken wir unsere Aufmerksamkeit nach Außen und schauen uns den äußeren Leseprozess an. Sie erfahren, wie Sie durch die bewusste Gestaltung Ihrer Leseumgebung bewusster Lesen und sich wesentliche Informationen besser merken können.

 

DER ÄUSSERE LESEPROZESS

Beginnen wir mit dem Ort, an dem wir lesen. Damit ist nicht unbedingt das Lesen unterwegs in der U-Bahn, im Park oder im Café gemeint. Hier sind Orte gemeint, deren äußere Gestaltung wir selbst in der Hand haben.
Gehen wir in den Wohnbereich. Bestimmt gibt es einen Platz, an dem Sie gern lesen und lernen. Wenn Sie an diesem Platz sind, wissen Ihr Körper und Ihr Geist, dass lernen und lesen angesagt sind. Wir haben in uns Raumanker, die allein, wenn wir den Raum betreten, in uns Prozesse ablaufen lassen, sodass wir uns automatisch auf das einstellen, was mit diesem Raum verbunden ist.

 

LESEN MIT GUTEN EMOTIONEN

Wenn Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen und Sie genau dort erfolgreich lesen und lernen können, dann haben Sie bereits einen guten Platz. Wenn nicht, dann empfehlen ich Ihnen als erstes, genau diesen Platz in Ihrer Wohnung zu finden. Einen Platz, an dem Sie gern sind, an dem lesen und lernen Spaß und Freude bereitet.
Sie haben speziell für das Lesen einen Platz? Das Prinzip des Wohlfühlens ist auch auf Ihre Leseecke übertragbar. Gestalten Sie diese so einladend und gemütlich wie nur möglich. Ihren Arbeitsplatz und Ihr Leseplatz sollten Ihnen gute Emotionen schenken, unabhängig von dem, was sie dort tun.

 

LESEN UND DAS RICHTIGE LICHT

Damit wir lesen können, brauchen wir Licht. Das klingt einfach. Ideal wäre, wenn ein Fenster in der Nähe ist. Augen lieben das Tageslicht. Ist das nicht möglich oder ist es bereits dunkel draußen, gilt als Faustregel, dass die Lichtquelle von der gegenüberliegenden Seite der Schreibhand kommt. Das bedeutet, für Rechtshänder von links und für Linkshänder von rechts. Damit vermeiden wir Schatten. Schatten erschweren einerseits das Lesen und verhindern andererseits, dass das Gehirn klare Impulse bekommt. Damit kann es langsamer und nicht genau die erhaltenen Informationen bearbeiten. Wir selbst sind weniger fokussiert, nicht im Augenblick und unser Geist hat Zeit, sich mit anderen Gedanken zu befassen.
Das Leselicht selbst sollte hell genug, aber nicht grell sein und maximal so hell, wie das Umgebungslicht.

 

LESEN UND DIE OPTIMALE HALTUNG

Wenn Sie lesen, dann achten Sie auf Ihre Körperhaltung. Machen Sie es sich beim Lesen bequem, aber fallen Sie nicht ins Lümmeln. Ideal ist eine aufrechte und entspannte Haltung, beide Füße auf den Boden. Der Abstand der Augen zum Buch sollte ungefähr 30 bis 40 Zentimeter betragen. In diesem Abstand können die Augen leichter ganze Wortgruppen oder Zeilen wahrnehmen.
Eine gebeugte oder zusammengesunkene Haltung gibt dem Gehirn die Information, in den Ruhe- bzw. Schlafmodus zu gehen. Das wollen wir vielleicht, wenn wir im Bett lesen und der Inhalt eines Buches uns beim Einschlafen unterstützt. Jedoch beim lernenden Lesen ist das kontraproduktiv.

 

DIE IDEALE KÖRPERHALTUNG NACH TONY BUZAN

Tony Buzan* gibt als Richtwerte für eine ideale Körperhaltung an, dass die Füße flach auf dem Boden stehen, man den Rücken gerade hält und versucht, die Muskulatur leicht zu dehnen.
Zur Begründung führt er an, dass das Gehirn so die größtmögliche Menge an Sauerstoff und Blut erhält und damit effektiv arbeiten kann. Außerdem geht das Gehirn bei einer aufrechten Haltung in den Wachmodus und fokussiert sich darauf, dass gleich etwas Wichtiges geschieht. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist die Art der Atmung, die in einer aufrechten Haltung auftritt. Die Atmung ist dabei ruhig und tief, was uns gleichzeitig entspannter sein lässt. Eine besonders aufrechte Haltung ist gleichzeitig ein gutes Hilfsmittel, wenn man durch Ablenkungen oder persönliche Probleme nicht ganz im Gleichgewicht ist und beim Lesen immer wieder abschweift. Gerade sitzen, tief und entspannt atmen und schon geht das Lesen leichter und fließender.
*Tony Buzan // SpeedReading

 

LESEN OHNE STÖRUNGEN

Unterbrechungen und unnötige Störungen können uns immer wieder aus dem Lese- und Lernprozess herausholen und weniger positive Emotionen in uns wecken. Es wurde festgestellt, dass wir nach jeder Störung mehrere Minuten brauchen, um wieder dort anknüpfen zu können, wo wir uns mit der Aufmerksamkeit vor der Störung befunden haben. Hier können Sie bereits im Vorfeld Vorkehrungen treffen. Stellen Sie als erstes das Handy und das Telefon auf lautlos. Eine gute Alternative für ankommende Gespräche ist dann der Anrufbeantworter. Ein fröhlich-buntes Schild an der Tür „Bitte nicht stören – ich lese und lerne“ kann allen Familienmitgliedern eindeutig signalisieren, dass Sie jetzt Ihre Zeit zum optimalen Lesen und Lernen brauchen und Störungen nicht erwünscht sind.

 

DER SINN EINER BUCHSTÜTZE

Arbeiten Sie lieber sitzend an einem Tisch, dann kann eine Buchstütze im wahrsten Sinne des Wortes unterstützend sein. Dabei wird das Buch an etwas gelegt, sodass ein leichter Winkel entsteht. Beispielsweise können Sie einige Bücher übereinander stapeln und die Lektüre dann dagegen lehnen. Natürlich können Sie auch eine Buchstütze kaufen, die es in vielen Variationen gibt.

 

LESEN AM REDNERPULT

Stellen Sie sich einmal einen Redner an einem Rednerpult vor. Wie ist seine Körperhaltung? Ja, meistens aufrecht und die Augen haben einen optimalen Abstand zum Text. Wenn Sie die Möglichkeit bekommen oder haben, dann prüfen Sie einmal selbst, wie gut Sie an einem Rednerpult lesen und lernen können. Ein Rednerpult hat noch einen weiteren Vorteil: Der Körper ist beim Lesen und Lernen in Bewegung und genau das bringt Flexibilität in den Körper und vor allem auch in das Gehirn.

 

LESEN MIT FINGERFÜHRUNG

Ihre Finger können optimales Lesen von außen unterstützen. Erinnern Sie sich noch, wie Sie in der Schule das Lesen gelernt haben? Ihre Finger flossen erst ruckelnd und dann immer gleichmäßiger unterhalb einer Zeile lang. Das Mitzeigen mit dem Finger war anfangs ein legitimes Mittel, um das Lesen zu erlernen, sich zu konzentrieren und den roten Faden zu behalten.
Das ist eine Methode, die Leseanfänger ganz spontan und unbewusst anwenden. Diese …
// erleichtert den Lesevorgang,
// lässt den Blick unserer Augen fokussiert dort sein, wo er hingehört
// macht das Gehirn aufnahmebereit für das, was jetzt kommt
Irgendwann haben wir damit aufgehört. Vielleicht, weil wir es albern empfunden haben oder es als Unfähigkeit von außen kritisiert wurde. Die genauen Gründe sind uns eventuell nicht bekannt. Das ist auch egal. Ich lade Sie einfach ein, Ihren Augen mit Ihren Fingern wieder eine Führung zu geben. Damit nutzen Sie die ganzen Vorteile, die diese Art des Lesens mit sich bringt.

 

UNBEWUSSTES LESEN MIT FINGERFÜHRUNG

Nehmen Sie sich ein Wörterbuch und beobachten Sie, wie genau Sie ein Wort suchen. Die meisten Menschen nutzen hier ihren Finger, um die Augen gezielt über die Menge von Text zu führen und, um schnell das zu finden, was sie suchen. Wie ist es bei Ihnen?
Mit dem Finger als Lesehilfe fokussieren Sie sich besser auf den Text. Sie geben den Augen eine Führung. Das Mitzeigen mit dem Finger ist dabei eine einfache und wirkungsvolle Methode, um die Konzentration und Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Diese Methode können Sie auch stets und ständig anwenden, denn die Finger haben Sie eben immer dabei. Eine andere Möglichkeit mit diesem Effekt bieten Ihnen auch ein Schreibgerät oder lange, dünne Gegenstände wie ein Stift, Federn, Stricknadeln oder Ess-Stäbchen.

 

DIE OPTIMLE LESEZEIT

Zu den äußeren Bedingungen, die allerdings eng mit dem Körper zusammenhängen, gehört die Lesezeit. Wissen Sie eigentlich, wann Ihre beste Zeit zum Lesen und Lernen ist? Finden Sie es heraus, indem Sie Ihre körperliche Konstitution an verschiedenen Tageszeiten beobachten. Wann arbeiten und lesen Sie am ertragreichsten? Vielleicht am frühen Morgen oder sind Sie erst in der späten Nachtstunde in Ihrer besten Form? Der Volksmund teilt Menschen gern in Eulen und Lerchen ein. Vielleicht hilft Ihnen diese Einteilung, um Ihre produktivste Zeit zu finden, in der Sie optimal lesen und lernen können.

 

DAS MÖCHTE ICH IHNEN NOCH MITGEBEN

Sie haben eine Menge Anregungen bekommen, wie Sie mit äußeren Veränderungen Ihre Lern- und Leseleistung optimieren können. Vielleicht haben Sie selbst schon auf dem Gebiet geforscht und haben Erkenntnisse, die Sie weitergebracht haben. Wichtig ist, dass Ihre Ideen nicht in Schubkästen schlummern, sondern Sie diese in die Tat umgesetzen.